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Athabasca-Ălsande
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Die Athabasca-Ălsande sind eine ĂlsandÂlagerstĂ€tte im Bezirk Wood Buffalo in der Provinz Alberta im Westen Kanadas. Namensgeber ist der Athabasca River, gröĂte Stadt der Region ist Fort McMurray. Die LagerstĂ€tte Athabasca ist die mit Abstand gröĂte der drei ĂlsandlagerstĂ€tten in Alberta.
Contents
âą Allgemeines
âą Geologie
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Allgemeines
Der Ălsand in Alberta ist ein Gemisch aus durchschnittlich 83 % Sand, 10 % Bitumen, 4 % Wasser und 3 % Ton.cite-ref-facts-on-oil-sands-1-0[1] Der Sand besteht zu 92 % aus QuarzÂkörnern, die restlichen 8 % sind Körner aus anderen Mineralen wie Glimmer, Pyrit, Rutil, Zirkon und Turmalin. Athabasca-Ălsand wird allgemein als âhydrophilâ bezeichnet, wobei diese Charakterisierung in zweifacher Hinsicht problematisch ist (siehe âHydrophilieâ von Ălsanden).
Oft werden Ălsande allgemein im Deutschen auch als âTeersandeâ bezeichnet, eine wortwörtliche Ăbersetzung des englischen Wortes âtar sandâ. Das im Ălsand enthaltene Bitumen ist ein in der Natur vorkommendes, an flĂŒchtigen (âleichtenâ) Bestandteilen stark abgereichertes (degradiertes) und daher sehr zĂ€hes oder sogar festes Erdöl. ZĂ€hflĂŒssiges Bitumen wird in der Erdölgeologie des englischen Sprachraumes tatsĂ€chlich auch âtarâ genannt.cite-ref-2[2] Im Deutschen ist âTeerâ hingegen die Bezeichnung fĂŒr ein Produkt der Destillation von organischem Material. Die Bezeichnung âTeersandâ ist daher eher zu vermeiden, wenn eigentlich Ălsand gemeint ist. Schweröl in erdölgeologischem Sinne ist ebenfalls abgereichertes Erdöl, jedoch weniger stark degradiert als Bitumen und daher auch nicht so hochviskos.
Der Bitumenanteil in den Sanden betrĂ€gt zwischen 1 % und 18 %. Abbau von Ălsand mit einem Bitumengehalt von unter 6 % wird zurzeit als unrentabel betrachtet. Im Durchschnitt benötigt man 2 Tonnen Ălsand, um ein Barrel (159 Liter) synthetisches Rohöl herzustellen.
Im Untergrund der Provinz Alberta lagern etwa 1,8 Billionen Barrel Bitumen, von denen rund 169 Milliarden Barrel als förderbar gelten (Stand 2013).cite-ref-dnrc2013b-3-0[3] Das Verbreitungsgebiet dieser âAlberta-Ălsandeâ umfasst eine FlĂ€che von etwa 140.000 kmÂČ und besteht neben Athabasca noch aus den zwei kleineren ĂlsandlagerstĂ€tten Cold Lake und Peace River.cite-ref-aoiupdatesum2013-4-0[4] Dazu kommen geschĂ€tzte 5,5 Milliarden Tonnen Schweröl, die sĂŒdöstlich des Athabasca-Reviers, bei Lloydminster in der Grenzregion zu Saskatchewan lagern.cite-ref-5[5] AuĂerdem verfĂŒgt Alberta zusĂ€tzlich ĂŒber potenziell abbaubare Reserven von maximal 20 Milliarden Barrel konventionellem Erdöl (Stand 2013).cite-ref-6[6] Im Jahr 2012 wurden im Schnitt tĂ€glich rund 1,9 Millionen Barrel Rohbitumen aus den Ălsanden gewonnen. Davon wurden 556.000 Barrel zu synthetischem Rohöl aufbereitet.cite-ref-aoiupdatesum2013-4-1[4] Im Jahr 2006 entfielen 42 Prozent der kanadischen Ălförderung auf synthetisches Rohöl aus Ălsand. In Alberta machte die Ălsandförderung 62 Prozent der gesamten Rohöl-, Schweröl- und Rohbitumenproduktion in der Provinz aus. Bis 2016 rechnete man mit einer Steigerung auf 86 Prozent.cite-ref-osgen-7-0[7]
Geologie
Die Athabasca-Ălsande lagern im Western Canada Sedimentary Basin. Die in abbauwĂŒrdiger Menge mit Bitumen imprĂ€gnierten Sande sind Teil der geologisch jĂŒngeren FĂŒllung dieses Beckens (Rocky-Mountains-Vorland-Phase). Sie sind unterkretazischen Alters (BarrĂȘmeâApt)cite-ref-hein-8-0[8] und gehören zur McMurray-Formation. Diese Formation besteht im tieferen Teil aus Quarzsand- (92 % SiO2-Anteil) und Siltsteinen (âLower McMurrayâ) und im höheren Teil aus Sandsteinen mit zwischengeschalteten Silt- und Ton-Lagen (âUpper McMurrayâ). Sie liegt diskordant auf devonischen Karbonatgesteinen (Waterways-Formation). Die McMurray-Formation beiĂt im Tal des Athabasca River aus und wird nach Osten und Westen von bis zu 800 m jĂŒngeren Sedimenten (Clearwater-Formation, Alb; quartĂ€re Lockersedimente) ĂŒberdeckt.cite-ref-haug2013-9-0[9] Ălsande treten sowohl im unteren als auch im oberen Teil der Formation auf.cite-ref-hein-8-1[8] Die Ablagerungen der McMurray-Formation werden als fluviale (Lower McMurray) sowie als deltaische und neritische (Upper McMurray) Sedimente interpretiert.
Die ĂlsandlagerstĂ€tten entstanden vermutlich im Zuge der Auffaltung der Rocky Mountains. Durch den von der Gebirgsbildung auf das Vorland ausgeĂŒbten Druck drĂ€ngte relativ geringviskoses Erdöl aus den primĂ€ren Speichergesteinen in den devonischen Karbonaten der Waterways-Formation in die darĂŒberliegenden unzementierten kretazischen Sandsteine. Dort wurde das Ăl durch die relative NĂ€he zur ErdoberflĂ€che infolge des Verlustes der leicht flĂŒchtigen Bestandteile, u. a. infolge der TĂ€tigkeit von Mikroorganismen (Biodegradation), schlieĂlich in zĂ€hes Bitumen umgewandelt.
Abbau und Aufbereitung
In den Gegenden, wo die Ălsande oberflĂ€chennah bzw. unter einem Deckgebirge mit höchstens 75 Metercite-ref-facts-on-oil-sands-1-1[1] MĂ€chtigkeit anstehen, können sie profitabel im Tagebau, u. a. unter Einsatz von groĂen Hochlöffel-Seilbaggern und GroĂmuldenkippern wie dem Liebherr T282, gefördert werden (aber vgl. RentabilitĂ€t und Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise). Dies betrifft potenziell 20 % der Athabasca-LagerstĂ€tte. De facto können Tagebaue jedoch nur auf einer FlĂ€che von insgesamt 4800 Quadratkilometern links und rechts des Athabasca River nördlich von Fort McMurray angelegt werden, und bis zum 31. Dezember 2012 nahmen die Tagebaue dort tatsĂ€chlich nur eine FlĂ€che von 767 kmÂČ ein.cite-ref-10[10] Der im Tagebau abgebaute Ălsand wird nachfolgend zur Trennung des Bitumens von den mineralischen Bestandteilen behandelt und das so gewonnene Rohbitumen wird teilweise zu synthetischem Rohöl aufbereitet (siehe Ălsand-Aufbereitung).
Bei höherer DeckgebirgsmĂ€chtigkeit (60 Meter und mehr) werden sogenannte In-situ-Verfahren angewendet. Dabei wird das Bitumen ĂŒber Bohrungen mittels Hitze oder Lösungsmitteln direkt im Untergrund mobilisiert und abgepumpt. Im Athabasca-Ălsandrevier wird zurzeit (2015) faktisch ausschlieĂlich die sogenannte Steam Assisted Gravity Drainage (SAGD) angewendet,cite-ref-aoiupdatespr2015-11-0[11] bei der heiĂer Wasserdampf in die LagerstĂ€tte eingepresst wird. Im Jahr 2012 war der Anteil des In-situ-geförderten Bitumens in Alberta erstmals gröĂer als der Anteil des Bitumens aus im Tagebau gefördertem Ălsand.cite-ref-aoiupdatesum2013-4-2[4] Allerdings ist die risikoarme In-Situ-Förderung nicht im gesamten Athabasca-Revier möglich, sondern nur dort, wo die McMurray-Formation von der Clearwater-Formation mit ihrem basalen Tonstein (Lower Clearwater Shale) ĂŒberlagert wird, da nur dieser ein ausreichend dichtes und stabiles Deckgestein abgibt.cite-ref-haug2013-9-1[9] Aber selbst dort können unter bestimmten UmstĂ€nden eingepresste Fluide (speziell Wasserdampf) zur GelĂ€ndeoberflĂ€che entweichen und potenziell SchĂ€den an Mensch und Material verursachen. Ein solcher âBlowoutâ ereignete sich am 18. Mai 2006 auf dem Gebiet des Joslyn-Creek-Projektes der Firma Total. Dabei wurden Gesteinsbrocken bis zu 1 Meter Durchmesser ausgeworfen und ein Teil des ausgeworfenen Materials ging noch in bis zu 250 Metern Entfernung von der Blowout-Stelle nieder.cite-ref-12[12]
Als eine der gröĂten von Menschenhand geschaffenen Strukturen gilt der âSyncrude Tailings Damâ, der das Absetzbecken der Ălsand-Aufbereitungsanlage âMildred Lakeâ (âSyncrude tailings pondâ) einfasst. Zur AufschĂŒttung des Dammes wurden und werden Abraum aus den angrenzenden Tagebauen und/oder die grobkörnigeren RĂŒckstĂ€nde aus der Bitumenaufbereitung verwendet.
Beteiligte Unternehmen
Folgende Unternehmen sind mit folgenden Projekten an der Ălsandförderung und -aufbereitung beteiligt (Stand 2015cite-ref-aoiupdatespr2015-11-1[11], kleingedruckte Projekte sind ĂŒber die Planungsphase noch nicht hinausgekommen):
Engagement deutscher Forschungseinrichtungen
Anfang 2012 wurde eine Kooperation der UniversitĂ€t von Alberta mit der deutschen Helmholtz-Gemeinschaft namens Helmholtz-Alberta-Initiative installiert. Als Forschungsaufgaben genannt wurden unter anderem die Verbesserung der CO2-Bilanz der Ălsandförderung durch PrĂŒfung der Möglichkeiten hinsichtlich des Einsatzes von Geothermie bei der Ălsand-Aufbereitung und hinsichtlich der Abtrennung und Versenkung von CO2 im Untergrund sowie die Entwicklung von Konzepten zur Renaturierung stillgelegter Tagebaue. DafĂŒr standen umgerechnet rund 25 Mio. Dollar aus deutschen Steuermitteln zur VerfĂŒgung.cite-ref-16[16] Aufgrund der öffentlichen Kritik an der Kooperation, vor allem nach dem Ausstieg Kanadas aus dem Kyoto-Protokoll, wurden 2013 alle Forschungsprojekte, die sich direkt oder indirekt mit der Ălsandförderung befassten, eingestellt. Weiterverfolgt werden Projekte im Zusammenhang mit der allgemeinen Verringerung von CO2-Emissionen.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]
Export und Transportwege
Die USA, eine der gröĂten WirtschaftsmĂ€chte der Welt, sind in hohem MaĂe von Erdöl abhĂ€ngig und das Hauptabnehmerland kanadischen Erdöls. Im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) ist sogar festgeschrieben, dass der hohe Anteil (etwa zwei Drittel), den die Exporte in die USA an der gesamten kanadischen Ălproduktion ausmachen, nicht durch staatliche MaĂnahmen von kanadischer Seite verringert werden darf.cite-ref-19[19] Damit sichern sich die USA eine gewisse UnabhĂ€ngigkeit von Erdöl aus politisch potenziell oder real instabilen ErdölförderlĂ€ndern,cite-ref-ens-20-0[20] beispielsweise im Nahen Osten oder dem Maghreb. Auch das aus den Athabasca-Ălsanden gewonnene Rohbitumen und Rohöl wird in die USA exportiert. Transportiert wird es unter anderem mit der Eisenbahn. Ein sehr groĂer Teil gelangt jedoch ĂŒber Pipelines in die USA (das Bitumen wird dafĂŒr verdĂŒnnt, vgl. âSynbitâ und âDilbitâ). Eine dieser Pipelines ist Alberta Clipper, die von Hardisty im SĂŒdwesten Albertas ĂŒber Saskatchewan, Manitoba und North Dakota nach Superior (Wisconsin) am Michigansee fĂŒhrt und 2010 fertiggestellt wurde.cite-ref-21[21]cite-ref-hct-com-22-0[22] Die ursprĂŒngliche KapazitĂ€t der knapp 1100 Kilometer langen Pipeline liegt bei 450.000 Barrel pro Tag. Aktuell (2015) erfolgt der Ausbau auf 540.000 Barrel pro Tag,cite-ref-23[23] und potenziell sollen 800.000 Barrel möglich sein.cite-ref-hct-com-22-1[22] Ebenfalls 2010 ging die rund 2800 Kilometer lange Keystone-Pipeline in Betrieb, die ebenfalls von Hardisty ĂŒber Saskatchewan, Manitoba und North Dakota verlĂ€uft, jedoch von dort ĂŒber South Dakota, Steele City in Nebraska, Kansas und Missouri nach Wood River (Illinois) weiterfĂŒhrt. 2011 folgten Anschluss und Inbetriebnahme einer 480 Kilometer langen SĂŒdtrasse von Steele City nach Cushing (Oklahoma).cite-ref-24[24] Der Bau einer insgesamt rund 2700 Kilometer langen, durch Montana nach Steele City und von Cushing zur texanischen GolfkĂŒste fĂŒhrenden Entlastungs- und ErgĂ€nzungspipeline namens âKeystone XLâ wurde Ende 2011 vom amtierenden US-PrĂ€sidenten Barack Obama nach massiven Protesten von UmweltschĂŒtzern, mehreren NobelpreistrĂ€gern sowie prominenten Persönlichkeiten wie Desmond Tutu und dem Dalai Lama vorerst gestoppt.cite-ref-dlf-u-v-15-11-011-25-0[25]cite-ref-26[26] WĂ€hrend der Bau der Strecke durch Montana, mit einer geplanten TransportkapazitĂ€t von ca. 830.000 Barrel Rohöl tĂ€glich, nach wie vor auf Eis liegt, wurde die VerlĂ€ngerung der SĂŒdtrasse zum Golf von Mexiko schlieĂlich doch gebaut und im Jahr 2014 vollendet.cite-ref-27[27]
In ErgĂ€nzung zu Keystone waren ursprĂŒnglich weitere neue Pipelines geplant: darunter eine zur kanadischen WestkĂŒste nahe Kitimat (British Columbia) unter dem Namen Northern Gateway, und eine zur OstkĂŒste bei Saint John (New Brunswick) unter der Bezeichnung Energy East. Letztere wĂ€re mit einer LĂ€nge von 4400 Kilometern die lĂ€ngste Pipeline in Nordamerika. Gegen beide Projekte formierte sich bei Natur- und UmweltschĂŒtzern Protest. Unter der seit Ende 2015 im Amt befindlichen Regierung Trudeau wurden die von der VorgĂ€ngerregierung erteilten Genehmigungen revidiert und mit verschĂ€rften Umweltauflagen versehen, woraufhin die beteiligen Unternehmen TransCanada (Energy East) und Enbridge (Northern Gateway) beide Projekte einstellten. Ebenfalls umstritten ist der Erweiterungsbau der von Edmonton nach SĂŒdwesten zu den Raffinerien bei Vancouver und Anacortes fĂŒhrenden Trans Mountain Pipeline (Trans Mountain Pipeline Expansion).gesamter Absatz nach cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]
RentabilitÀt und Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise
So, wie beispielsweise die Förderung von Schiefergas mittels Fracking teurer ist als die Förderung von Erdgas aus konventionellen LagerstĂ€tten, ist auch die Ălsandförderung teurer als die Förderung konventionellen Erdöls. Nach dem Abbau im Tagebau muss das Bitumen zunĂ€chst in mehreren Arbeitsschritten von der Sandfraktion getrennt und nachfolgend zu synthetischem Rohöl aufbereitet werden (siehe Ălsand-Aufbereitung). Bei der In-Situ-Gewinnung entfĂ€llt zumindest die Trennung von Sand und Bitumen. Zudem ist das synthetische Rohöl (Athabasca crude) von geringerer QualitĂ€t als die âStandardsortenâ Brent und WTI und erzielt daher pro Barrel einen um 20 bis 30 US-Dollar geringeren Preis.cite-ref-pir-31-0[31] Die untere RentabilitĂ€tsgrenze fĂŒr die Ălsandförderung liegt daher bei einem Weltmarkt-Ălpreis (Brent/WTI) von 65 bis 80 Dollar pro Barrel.cite-ref-nyt-32-0[32]cite-ref-33[33] FĂŒr die Förderung im Tagebau soll sie sogar bis zu 100 Dollar pro Barrel betragen.cite-ref-diepresse-34-0[34] Jedoch gelten diese Preisgrenzen nur fĂŒr neue bzw. den Ausbau bestehender Ălsandprojekte. Insbesondere der Abbau im Tagebau ist eher vergleichbar mit einem Bergbauprojekt als mit einem âklassischenâ Erdölförderprojekt. Die meisten Kosten fallen in der Bauphase mit der Errichtung der Ălsand-Aufbereitungs- und -veredelungsanlagen an. Die reinen Produktionskosten sollen nur im Bereich von 10 bis 20 Dollar pro Barrel liegen.cite-ref-bloom-35-0[35] Weil Tagebauprojekte ĂŒber mehrere Jahrzehnte laufen, sind sie langfristig profitabel, falls der Ălpreis wĂ€hrend der Betriebszeit ausreichend lange ĂŒber den Gesamtkosten pro Barrel liegt. Die Ălsandförderung gilt damit als weniger anfĂ€llig fĂŒr fallende Ălpreise als die Förderung fossiler Kohlenwasserstoffe mittels Fracking.cite-ref-bloom-35-1[35]
Infolge eines Ălpreiseinbruches Anfang 2009 auf 35 US-Dollar wurde das Gesamtvolumen der Investitionen in Alberta-Ălsand-Projekte von 125 Milliarden auf 85 Milliarden kanadische Dollar (seinerzeit rund 78 bzw. 53 Milliarden Euro) zurĂŒckgefahren, mit deutlichem Effekt auf das Wirtschaftswachstum und die öffentlichen Finanzen Kanadas und vor allem Albertas.cite-ref-diepresse-34-1[34] Im Jahre 2014 betrug das Investitionsvolumen 69 Milliarden Dollar (rund 50 Milliarden Euro). Aufgrund des erneuten Preiseinbruches im letzten Jahresviertel 2014 auf deutlich unter 70 US-Dollar wurde fĂŒr 2015 eine Abnahme auf rund 46 Milliarden kanadische Dollar (etwa 33 Milliarden Euro) erwartet.cite-ref-guardian20150529-36-0[36] Ein erneuter Preisverfall im Verlauf der zweiten HĂ€lfte des Jahres 2015 mit Preisen von knapp 38 US-Dollar Ende Dezember könnte fĂŒr etliche in Planung befindliche Ălsandprojekte das Aus, zumindest aber einen lĂ€ngerfristigen Planungsstopp nach sich ziehen. Die SparzwĂ€nge bei den Ălunternehmen fĂŒhren nicht nur zu Stellenabbau in der Ălsandindustrie, sondern wirken sich auch unmittelbar negativ auf jene Wirtschaftszweige aus, die von der Ălsandindustrie abhĂ€ngig sind, beispielsweise Anlagenbauer oder die Hersteller von Bergbau-AusrĂŒstung.cite-ref-nyt-32-1[32]
Neben dem Ălpreis haben auch andere Faktoren Einfluss auf die RentabilitĂ€t des Ălsandabbaus. So erhoffen sich die in Athabasca involvierten Ălunternehmen von der Keystone-XL-Pipeline (siehe Export und Transportwege) eine Senkung der Transportkosten und damit eine AbschwĂ€chung des Effektes niedriger Weltmarktpreise auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Förder- und Aufbereitungsanlagen.cite-ref-pir-31-1[31] Auch ist der Wechselkurs des kanadischen Dollars gegenĂŒber dem US-Dollar von Bedeutung. Weil die Exporte in die USA in US-Dollar bezahlt werden, die Bau- und laufenden Produktionskosten (Energie, Wartung, Löhne usw.) jedoch in kanadischen Dollar, wirkt sich ein schwacher kanadischer Dollar positiv auf die Wirtschaftlichkeit des Ălsandabbaus aus.cite-ref-bloom-35-2[35] Auch politische Faktoren spielen eine Rolle bzw. beeinflussen sie mehr oder weniger direkt die wirtschaftlichen Faktoren. Beispielsweise hĂ€ngt die Genehmigung von Pipeline-Projekten von Regierungsentscheidungen in den USA und Kanada ab, die wiederum von der öffentlichen Meinung beeinflusst sein können.
Auswirkungen auf die Umwelt
Die Ălsandförderung, in Alberta wie andernorts, geht unvermeidlich mit einer Reihe negativer Auswirkungen auf die Umwelt im Abbaugebiet einher. Besonders drastisch sind diese beim groĂflĂ€chigen Tagebau (siehe Auswirkungen des Ălsandabbaus auf Umwelt und Klima).
Die Teersandförderung beeintrĂ€chtigt enorm groĂe FlĂ€chen (gröĂer als ganz Griechenland), auf denen WĂ€lder gerodet und Erdmassen bewegt werden. Da boreale NadelwĂ€lder groĂe Mengen Kohlenstoff speichern (mit 460 t/ha doppelt so viel wie tropischer Regenwald; davon 84 % im Boden), werden dabei groĂe Mengen Kohlenstoff freigesetzt. Da ĂŒber 93 % der kanadischen Teersande tiefer als 75 m liegen, werden zukĂŒnftig noch gröĂere Erdbewegungen erwartet. Schon heute ist der Abbau die am schnellsten wachsende Quelle von Treibhausgasen in Kanada, auch weil enorme Mengen Erdgas fĂŒr die Förderung verbraucht werden mĂŒssen. Der Eingriff in eines der gröĂten verbliebenen Wildnisgebiete der Erde ist verheerend: Zu den KahlschlĂ€gen kommt ein Netz von Wegen, Bohrungen und Pipelines mit entsprechendem Verkehr, die die Tierwelt stören. Zudem werden die Wasserökosysteme geschĂ€digt, da fĂŒr die Herstellung eines Liters Kraftstoff aus Teersand bis zu 4,5 Liter Wasser verbraucht werden und bis zu 6 Liter giftige SchlĂ€mme entstehen, die die höchst störanfĂ€lligen nordischen GewĂ€sser gefĂ€hrden. Die GesamtflĂ€che der Absetzbecken des Teersandabbaus in Kanada betrug 2009 ca. 50 kmÂČ; Tendenz stark steigend, da die benötigte Wassermenge mit zunehmender Ausbeutung stetig zunimmt. Der Bestand an Karibus â die als Hauptindikator fĂŒr die Gesundheit borealer Ăkosysteme herangezogen werden â ist Im Gebiet âEast Side Athabasca Rangeâ in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts bereits um 50 % zurĂŒckgegangen. Kanadische Regierungsstellen halten das Aussterben des Karibus in diesen Gebieten fĂŒr möglich. Auch die Population einiger Vogelarten ist in einigen Gebieten schon um 80 % zurĂŒckgegangen.cite-ref-37[37]
Im Rahmen einer Studie der Queens University in Kingston, Ontario, und der kanadischen Umweltbehörde Environment and Climate Change Canada wurden Seesedimente in der Umgebung des Hauptabbaugebietes der Athabasca-Ălsande beprobt. Dabei ist eine erhöhte Belastung dieser Sedimente mit toxischen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) noch in bis zu 90 Kilometern Entfernung vom Hauptabbaugebiet festgestellt worden. Der Zeitpunkt des teilweise drastischen Anstieges der PAK-Belastung (um das bis zu 23-fache) fĂ€llt mit dem Beginn des Ălsandabbaus und -upgradings in den 1960er Jahren zusammen. Ein hoher Anteil von unter anderem Dibenzothiophenen (DBT) und Chrysen in diesen Sedimenten zeigt, dass die PAKs wahrscheinlich dem Ălsand-Bitumen entstammen. Vermutlich gelangen die PAKs durch Windverblasung aus den Tagebauen und ĂŒber die Auswaschung von StĂ€uben aus den Abgasen der ĂlsandÂaufbereitungsÂanlagen in die Seen. Trotz des erhöhten Eintrags der PAKs konnten, gemessen an der HĂ€ufigkeit der schadstoffsensiblen WasserflohÂgattung Daphnia in den belasteten Sedimentschichten, keine negativen Auswirkungen auf die betroffenen limnischen Ăkosysteme nachgewiesen werden. Jedoch wurde in der Sedimentabfolge eine starke VerĂ€nderung in der Artenzusammensetzung der Wasserflohgesellschaften mit einer generellen Zunahme von Resten Daphniider Wasserflöhe festgestellt, die mit einer mutmaĂlich klimabedingten Zunahme von Phytoplankton-Resten korreliert.cite-ref-38[38] Möglicherweise verschleiert dies die BeeintrĂ€chtigung der Ăkosysteme durch den PAK-Eintrag.cite-ref-39[39]
Kritik und Proteste
Die britische Tageszeitung The Guardian bezeichnete Kanada 2009 als the dirty old man of the climate world (âden dreckigen alten Mann der Klimaweltâ),cite-ref-40[40] weil es Ălsandabbau und -aufbereitung staatlich fördert und somit bewusst in Kauf nahm, den im Kyoto-Protokoll festgelegten Zielwert fĂŒr den CO2-AusstoĂ im Jahr 2012 weit zu verfehlen. Kurz vor Ablauf der Frist trat Kanada schlieĂlich sogar ganz vom Kyoto-Protokoll zurĂŒck.cite-ref-41[41] Nicht nur hinsichtlich der Klimaproblematik bezeichnen UmweltschĂŒtzer den Ălsandbergbau als âgröĂtes Umweltverbrechen in der Geschichteâ.cite-ref-guardian18jan10-42-0[42]
Gegen den steigenden Export von Rohöl aus Ălsand-Bitumen in die USA und den dahingehend geplanten Ausbau des nordamerikanischen Pipeline-Netzes (siehe Export und Transportwege) formierte sich 2009 eine âinternationale Koalitionâ aus UmweltverbĂ€nden und First Nations (Indianer Nordamerikas). Kernpunkt der Kritik war vor allem die schlechte Umwelt- und Klimabilanz des âschmutzigsten Ăls der Weltâ.cite-ref-ens-20-1[20]cite-ref-43[43] Unter anderem heiĂt es: âDie TreibÂhausÂgasÂemissionen sind bei der Ălsandförderung und -aufbereitung dreimal höher als die bei der Förderung konventionellen Rohöls und es [d. h. das synthetische Rohöl aus Ălsandbitumen] enthĂ€lt 11-mal mehr Schwefel und Nickel, sechsmal so viel Stickstoff und fĂŒnfmal so viel Blei wie konventionelles Ăl. Diese Giftstoffe gelangen in die Luft und das Wasser der Vereinigten Staaten, wenn das Rohöl in Raffinerien zu Treibstoffen verarbeitet wird.âcite-ref-ens-20-2[20]
Kritisiert wird auch, dass der Bau der Alberta-Clipper-Pipeline (siehe Export und Transportwege) vom US-Innenministerium bereits vor der Abarbeitung aller Verwaltungsverordnungen genehmigt worden sei. So hĂ€tten der Behörde fĂŒr Indianische Angelegenheiten bis dahin keine vollstĂ€ndigen AntrĂ€ge der Betreiberfirma Enbridge Energy und dem am Leech Lake ansĂ€ssigen Chippewa-Stamm vorgelegen, um mit dem Genehmigungsverfahren fĂŒr die indianischen Gebiete beginnen zu können, die vom Pipeline-Bau betroffen sind.cite-ref-ens-20-3[20]
Im MĂ€rz 2010 bezeichneten Umwelt- und IndianerverbĂ€nde in einer Anzeige im Variety Magazine die Athabasca-Ălsande als âCanadaâs Avatar Sandsâ, in Anspielung auf den Film Avatar â Aufbruch nach Pandora.cite-ref-archive-ej-4m-rz10-44-0[44] In diesem Film wird die Zerstörung einer Kultur (auf dem Mond eines extrasolaren Gasriesen) geschildert, indem ein Rohstoffunternehmen seine ökonomischen Interessen rĂŒcksichtslos gegen den Widerstand der eingeborenen Bevölkerung durchsetzt. Der Verband der kanadischen Erdölförderunternehmen (Canadian Association of Petroleum Producers, CAPP) reagierte mit UnverstĂ€ndnis und lud die verantwortlichen Umweltaktivisten ein, âauf den Planeten Erde zurĂŒckzukehren und sich an der Diskussion ĂŒber ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis zwischen Umweltschutz, Wirtschaftswachstum und einer sicheren und verlĂ€sslichen Energieversorgung zu beteiligen.âcite-ref-archive-ej-4m-rz10-44-1[44]
Die Bio-Lebensmittelkette Whole Foods Market und die Haushaltswaren- und Möbelhauskette Bed Bath & Beyond gaben 2010 bekannt, ihre Fahrzeugflotten nicht mehr mit Kraftstoffen betanken zu wollen, die aus Athabasca-Ălsand gewonnen wurden, um ihren CO2-FuĂabdruck zu verringern. Damit reagierten sie auf eine entsprechende Initiative der Umweltorganisation Forest Ethics. So bezieht Whole Foods keine Kraftstoffe mehr von der Marathon Oil, die mit 20 % an Ălsandprojekten in Alberta beteiligt ist, sondern nur noch von Anbietern, die ausschlieĂlich Rohöl aus den USA verarbeiten.cite-ref-45[45]
Eine Gruppe von AktionĂ€ren des britisch-niederlĂ€ndischen Mineralölkonzerns Shell forderte Anfang 2010, dass das Unternehmen sein Engagement im Athabasca-Ălsandrevier einer Revision unterzieht, jedoch weniger wegen des schlechten Umwelt-Images des Ălsandes als vielmehr weil sie in den entsprechenden Projekten ein zu hohes finanzielles Risiko fĂŒr Shell sehen.cite-ref-guardian18jan10-42-1[42]
Am 3. Dezember 2012 verbarrikadierten sich im Rahmen einer Protestaktion bei Winona (Texas) drei Umweltaktivisten mittels Betonblöcken in einem TeilstĂŒck der seinerzeit im Bau befindlichen SĂŒdverlĂ€ngerung der Keystone-Pipeline, um die Bauarbeiten lahmzulegen.cite-ref-46[46]
Weblinks
Commons
: Athabasca oil sands
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Oil Sands Discovery Centre, Alberta
âą Bernd Schröder: Der kanadische Ălsand-Komplex. Teil 1 â Ein Boom und seine Folgen. Telepolis, 2. April 2008
âą A. Lejay, C. Yuill: The Bitumen-Bearing McMurray Formation: Description of Reservoir Units in a Large Fluvio-Estuarine Setting from the Athabasca and Christina Rivers Outcrops, Alberta, Canada. Optische PrĂ€sentation zu einem Vortrag ĂŒber die Sedimentologie der McMurray-Formation, gehalten auf dem Jahrestreffen der American Association of Petroleum Geologists, Calgary, Alberta, 19.â22. Juni, 2005
âą H. G. Babies: Ălsande in Kanada â eine Alternative zu konventionellem Erdöl? Commodity Top News, Nr. 20, BGR Hannover 2003
Einzelnachweise
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57.02-111.65coordinatesKoordinaten: 57° 1âČ N, 111° 39âČ W